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Abschied von Itzchak Belfer

Veröffentlicht am 12.02.2021

Die Deutsche Korczak-Gesellschaft e.V. nimmt Abschied von einem
guten Freund und langjährigen Wegbegleiter ihrer Arbeit.


Der Künstler und Schriftsteller Itzchak Belfer, der bis dato letzte noch
lebende Zöglings aus der Krochmalna 92, ist im Januar 2021 in Tel-AviP
zwei Wochen vor seinem 98. Geburtstag verstorben.

 

Itzchak Belfer wurde 1923 in Polen geboren, verlor früh den Vater und lebte mit fünf Geschwistern und seiner Mutter unter ärmlichen Verhältnissen, bis er 1930 in das Waisenhaus von Dr. Janusz Korczak kam, wo er bis 1938 ein neues Zuhause fand, das ihm nicht nur eine Erziehung zu einem, wie er sagt, „liberalen Menschen“ bot, sondern auch seine kreativen Fähigkeiten förderte.

Kurz vor der Besetzung Polens durch Nazi-Deutschland verließ Belfer
das Waisenhaus und schlug sich nach Russland durch.
Als er am Ende des 2. Weltkrieges nach Polen und Warschau
zurückkehrte, um seine Angehörigen zu suchen, fand er niemanden
mehr vor. Statt dessen musste er erkennen, dass im neu zu ordnenden
Polen immer noch - oder schon wieder - ein deutlicher Antisemitismus
herrschte.
Und so beschloss Itzchak Belfer, nach Palästina auszuwandern, wo er
eine neue Heimat fand. Er studierte an der Kunsthochschule und war bis
zu seinem Tod als Künstler, Schriftsteller und Dozent tätig. Tausenden
von Kindern und Jugendlichen brachte er in Israel das Erbe Janusz
Korczaks nahe.

 

 

Viele Jahre lang bereicherten die Illustrationen Belfers, dieses
ungewöhnlichen Künstlers, die Titelblätter und Innenseiten zahlreicher
Korczak-Bulletins oder anderer pädagogischer Publikationen.

Jahrzehntelang trafen wir auf Korczak-Veranstaltungen fast in aller Welt
auf einen Menschen, der uns durch seine bloße Gegenwart sofort in eine
faszinierende Aura von Warmherzigkeit und Aufrichtigkeit zog.
Jahrzehntelang erzählte er in bescheidenen, fast zurückhaltenden, aber
dennoch liebevollen Berichten, denen es auch nie an der
entsprechenden Prise Humor mangelte, von seinem „Ersatz-Vater“ und
Lehrer Janusz Korczak und auch von seiner Ziehmutter Stefania
Wilczyńska.
Sein beinahe gesamtes künstlerisches Schaffen widmete er dem
Andenken dieser beiden großartigen pädagogischen Persönlichkeiten.
Mit der Realisierung eines seiner großartigsten Werke, der Bronze-
Skulptur „Korczak und die Kinder“ im Jahre 2003 in Günzburg, der
Geburtsstadt des berüchtigten KZ-Arztes Josef Mengele, hat er einen
festen, mittlerweile viel geachteten Platz auch in Deutschland gefunden.


Über seinen Händedruck waren wir verbunden mit Janusz Korczak.
In Gedanken sind wir bei ihm und seiner Familie…
Sein jüngstes Buch über Janusz Korczak für Kinder - vom israelischen
Erziehungsministerium empfohlen - ist exklusiv für den
deutschsprachigen Bereich beim Experimentellen Theater Günzburg
erschienen ( www.etgz.de - siehe unter Korczak bzw. Publikationen) und
kann dort in Restbeständen noch angefordert werden.

theater@etgz.de


Siegfried Steiger


Ehrenvorsitzender der Deutschen Korczak-Gesellschaft e.V.
am 06.02.2021 (Itzchaks Geburtstag)